Mit Latein am Ende?
„Hic, häc, hoc, der Lehrer hat `nen Stock; hujus, hujus er haut den armen Julius !“
Die Zeiten, in denen auf solche Weise in den Gymnasien Latein betrieben wurde, sind vorbei! Schon lange hat Latein das Image des knochentrockenen Unterrichts abgelegt. Moderne Unterrichtsmethoden in Verbindung mit schülergerechten Lern- und Arbeitshilfen ermöglichen einen lebendigen Sprachunterricht.
Latein ist gefragt !
Für das Schuljahr 2008/09 verzeichnet das Statistische Bundesamt an allgemeinbildenden Schulen 832 851 Schülerinnen und Schüler. Tendenz weiter steigend!
Latein lebt !
Bekanntlich dient Latein den Wissenschaften als Hauptquelle ihrer Fachwörter. Doch werfen wir nur einen kurzen Blick auf Wortbildungen, wie sie uns alltäglich begegnen: da kommuniziert jemand mit seinem Computer; man diskutiert, wie informativ die Medien sind; das Publikum einer Ausstellung befindet über die Akzeptanz der Exponate; es wird gefragt, ob Videos die Kreativität fördern oder ob die Quotenregelung der feministischen Bewegung nützt. Solche unglaubliche Vielfalt und zugleich Präzision der Begriffe bedient sich einer vermeintlich toten Sprache!
Latein ist anders !
Latein schult und diszipliniert das Denken. Da lateinische Sätze und Texte ins Deutsche übersetzt werden müssen, besteht die Spracharbeit im sorgfältigen Analysieren, Überprüfen und Kombinieren. Latein fördert Genauigkeit und Gründlichkeit, fordert nicht zuletzt den sorgsamen, kompetenten Umgang mit der deutschen Sprache. Dies steht im Widerspruch zum Zug der Zeit, vieles rasch und flüchtig zu betreiben.
Latein wird erwartet !
Auch an den meisten deutschen Universitäten ist Latein noch erstaunlich lebendig. Insbesondere in den historisch-philologischen Wissenschaften fordern die meisten Hochschulen bei den Abschlussprüfungen Lateinkenntnisse mindestens im Umfang des Kleinen Latinums oder des Latinums. Selbst bei der Meldung zur Promotion (Dr.jur.) in Jura wird z.B. an der Universität Göttingen der Nachweis von Lateinkenntnissen im Umfang des Kleinen Latinums vorausgesetzt. Übervolle Lateinkurse an den Universitäten verlängern die Studiendauer unnötig.
Latein bildet !
Überall, wo heute romanische Sprachen (Italienisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Rumänisch) gesprochen werden, ist Latein als „Muttersprache Europas“ lebendig. Selbst der Wortschatz des Englischen besteht zu mehr als 50 % aus Wörtern lateinischer Herkunft. Im Blick auf Europa lässt sich kaum ein Schulfach europäischer anwenden und verstehen als das allgemein bildende Grundlagenfach Latein. Die ganze Vielfalt abendländischen Geisteslebens (Philosophie, Staatslehre, Kultur u.a.), dessen antike Grundlagen den Untergang des Römischen Reiches überlebt haben und im Humanismus wiederaufgenommen wurden, wird mit dem Schlüsselfach Latein erst wirklich eröffnet.
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lateinische Herkunft der unterstrichenen Wörter:
kommunizieren von communicare: mit jemandem etwas besprechen
Computer von computare: rechnen
diskutieren von discutere: erörtern
informativ von informare: darstellen, unterrichten
Medium von medium: das Mittel
Publikum von publicum: die Öffentlichkeit
Akzeptanz von acceptare: annehmen, sich gefallen lassen
Exponat von exponere: ausstellen
Video von videre: sehen (video = ich sehe)
Kreativität von creare: schaffen, schöpfen
Quote von quotus: der wievielte
feministisch von femina: die Frau


